Schmallenberg-Virus

Beim Schmallenberg-Virus handelt es sich um ein Orthobunyavirus, das eine enge Verwandtschaft zu Viren der  Simbu-Serogruppe aufweist, zu der auch das Akabane-Virus gehört. Die höchste genetische Ähnlichkeit wurde zum Shamonda-Virus aus dieser Gruppe festgestellt.

Das Genom dieser Viren besitzt drei Segmente (S, M und L), die für mindestens 5 Proteine kodieren. Schmallenberg-Virus wurde bisher in den Niederlanden, Deutschland und Belgien bei Rindern, Schafen und Ziegen nachgewiesen.

Die Übertragung erfolgt vermutlich wie bei anderen Viren der Simbu-Serogruppe durch Insekten (Gnitzen und Stechmücken). Es erkranken Rinder, Schafe und Ziegen. Ob Wildwiederkäuer oder andere Spezies empfänglich für Schmallenberg-Virus sind, ist nicht bekannt.

Symptomatik

Keine oder nur milde Symptome bei akuten Infektionen von Rindern und kleinen Wiederkäuern. Leitsymptome beim Rind sind Milchrückgang, Fieber und Durchfall. Diese Symptome wurden besonders während der Vektor-aktiven Zeit (April bis November) im Jahr 2011 beobachtet.
Die Virämiephase ist sehr kurz (1 bis 6 Tage) und auch die klinische Symptomatik klingt innerhalb weniger Tage ab.

Eine besondere Rolle spielt die fetale Infektion. Kommt es in einem vulnerablen Stadium der Gravidität (in Analogie zu Akabane-Virus beim Schaf vermutlich zwischen Tag 28 und 36 (56) und beim Rind wahrscheinlich zwischen Tag 75 und 110 (150)) zur Infektion, kann das Virus den Fetus infizieren und zu schweren Schädigungen führen.

Neben Aborten und mumifizierten Feten sind insbesondere Früh- oder Totgeburten sowie die Geburt lebensschwacher, missgebildeter Lämmer und Kälber typisch. Häufigste Missbildungen sind schwere Arthrogryposen, Torticollis und Hydrocephalus. Das zentrale Nervensystem kann schwerste Deformationen aufweisen.

Insgesamt ist das klinische Bild dem von Infektionen mit dem Akabane-Virus sehr ähnlich (siehe Anhang 1 mit Beispielbildern sowie das Factsheet zu Akabane). Die durch die Viren der Simbu-Serogruppe induzierten Missbildungen werden als „Arthrogrypose-Hydranencephalie-Syndrom (AHS)“ bezeichnet.
In einigen Fällen kann es sowohl bei akuten Infektionen als auch bei Neugeborenen zu Enzephalitiden in unterschiedlichen Schweregraden kommen.

Schutz und Vorbeugung

Zurzeit steht weder eine medikamentöse Behandlung, noch eine Impfung zur Verfügung. Die Bekämpfung ist schwierig, da die Infektion lange vor dem Zeitpunkt des Auftretens erster Missbildungen erfolgt ist.

Eine wesentliche Maßnahme ist der Einsatz von Mückenschutzmaßnahmen (Repellentien) – Erfahrungen aus der Blauzungenbekämpfung haben jedoch gezeigt, dass deren Wirksamkeit nicht immer zu 100 % gegeben ist und diese Maßnahmen schwierig umzusetzen sind.

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